Ruch regt sich uff


Lieber Herr Ruch,

in der Rhein-Zeitung vom 17.4. fragen Sie: Wie weit will Wladimir Putin gehen? Ich kann Ihnen diese Frage vielleicht beantworten: Soweit er muss. Ich finde es höchst bedauerlich, das ein gestandener Journalist wie Sie sich an der medial leider verbreiteten Schwarz-Weiß-Malerei beteiligt. Das sich Medienmachern, die in Trans-Atlantischen Vereinigungen doktriniert werden, an der Russenhetze beteiligen, mag ja noch verständlich erscheinen. Von Ihnen Herr Ruch ist mir das aber nicht bekannt. Welche Indizien lassen Sie denn vermuten, das die Unruhen von Russland geschürt werden? Militäruniformen ohne Abzeichen hatte die Putschisten auf dem Maidan auch. Die Ausbildung in der russischen oder ukrainischen Armee unterscheidet sich nicht sonderlich voneinander. Die Abschaffung der Wehrpflicht ist dort auch noch keine Generation her. Mit Mobiltelefonen bekommen sogar Koblenzer koordinierte Aktionen wie Seilbahnflashmobs hin. Wenn der Herr Putin der Bevölkerung auf der Krim höhere Löhne und Renten verspricht macht er nix anderes, als Merkel, Steinmeier und Co alle 4 Jahre im Wahlkampf. Wenn Russland Militärübungen auf russischen Gebiet veranstaltet ist das imo nicht ganz so provozierend wie deutsche Militärflugzeuge an der russischen Grenze im Rahmen irgendwelcher Nato Beistandsbekundungen.

Wenn Obama vollmundig Sanktionen gegen Russland ankündigt, hat er leicht reden. Das deutsche Handelsvolumen mit Russland ist 10x höher als das USamerikanische. Wenn die USA zweifelhaft gewonnenes Flüssiggas nach Europa exportieren wollen, verdienen die daran Geld. Geld das sonst nach Russland fliessen würde. Die USA vertreten grundsätzlich USamerikanische Interessen. Russland vertritt russische Interessen, China chinesische Interessen. Welches Interesse hat Deutschland an einer Destabilisation der Ukraine?

Deutschland ist als Exportnation auf gute Beziehungen zu ALLEN Ländern/Handelspartnern angewiesen. Wenn Merkel Russland und Putin mit Sanktionen belegen will, schadet sie Deutschland. Etwas mehr Zurückhaltung ist angebracht. Das die Krim jetzt zu Russland gehört ist ein Faktum. Die Bevölkerung dort hat in einer sehr überzeugenden Abstimmung dafür votiert. Soll der Willen einer Bevölkerung mißachtet werden, weil es grad nicht in die demokratische Werteordnung hineinpasst, das die Menschen in einer Pseudodiktatur leben wollen? Ob die Menschen in der Ostukraine wirklich zu Russland gehören wollen? Menschen wollen Sicherheit und Wohlstand. Wenn der das garantieren könnte, würde Deutschland bei der nächsten Bundestagswahl sogar den Kaiser wählen und die Monarchie wiederbeleben. Deutschland muss sich für stabile Verhältnisse in der Ukraine einsetzen, nicht dafür irgendeine Konfliktpartei zu provozieren. Die Regierung der Ukraine setzt Militär gegen die eigene Bevölkerung ein. Nicht mal Janukowitsch hat das gemacht. Stabile Verhältnisse bekommt man durch Reden, Vertrauen schaffen und nicht durch Drohungen und Sanktionen. Von daher lieber Herr Ruch, fordern Sie doch bitte keine Strafmaßnahmen gegen irgendjemanden. Informieren Sie bitte umfassend und gründlich, wie man das von einer guten Zeitung erwartet. Wenn Sie nur die Meldungen der DPA nachbeten, machen Sie nix anderes als die Mainstream Presse. Die baut Stellen und Kapazitäten ab. Weil sich keiner mehr für die Einheitsbreibotschaften interessiert.

Freundlichst und mit besten Osterwünschen
Ihr Leser
Daniel Dentier

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