Ihr Kinderlein kommet


aber gehet auch bald.

„Armes Deutschland!“ hat sie gesagt, die Dame aus dem Kindergarten. Unser kleines Wutsch ist schon sooooo groß. Schon 2 Jahre und 3 Monate! Immer nur Mama und abends ein bissi Papa kann ganz schön langweilig sein für so große Racker. Tipa ist meistens nur noch naß und kalt, also haben Mama und Papa gemeint, sie müßten den kleinen Lingel in einen Kindergarten geben. Mindestens aus sozialen Gründen. In der Gruppe lernt es sich nun mal besser und wenn die Kinder alle im Kreis auf dem Töpfchen sitzen, klappt das auch mit dem Häufchen. So war es zumindest bei Papa früher und beim Cousin Mosi auch. Aber der wohnt im Osten. Da fließt zwar kein Milch und Honig in den Bächen, aber Kinderbetreuungsplätze gibt es dort deutlich mehr als im schönen Kowelenz.

Als Nichtautofahrer müssen wir die Wegezeiten berücksichtigen. Es gibt 3 Kindergärten zu denen wir fußläufig nur 15 min Weg haben. Mit Lingel also eine knappe halbe Stunde. Zwei davon nehmen nur halbtags Kinder ab 3 Jahren und fallen damit leider erst mal weg. Der dritte Kindergarten bietet Ganztagesbetreuung und das schon für zweijährige Kinder. Leider ist der Zugang schwer eingeschränkt. Wir stehen jetzt immerhin auf einer Warteliste an Position 75. Da alleinerziehende Eltern bevorzugt werden, kann es also noch einige Zeit dauern, bis Lingel sich mit anderen Kindern über Sinn und Unsinn von Eltern unterhalten kann.

Kinderbetreuung ist ein ganz heikles Thema im Westen der Republik. Elternteile, traditionell Mütter, werden nach der Geburt von Kindern mindestens 3-6 Jahre aus dem Alltag herausgerissen, da sie sich dann hauptsächlich um Kinder zu kümmern haben. Und selbst wenn das Kleine dann im Kindergarten ist, bei Öffnungszeiten von 8 – 13 Uhr fällt eine Weiterbeschäftigung im erlernten Beruf danach häufig ins Wasser. Wie soll eine Verkäuferin während der üblichen Ladenöffnungszeiten ein Kind aufziehen? Und wie findet man wieder einen Einstieg in den Beruf nach den 6 Jahren? Einzelhandel mag noch gehen, aber im Geschäftsleben findet solch dynamischer Wandel statt, das man/frau wieder bei Null beginnen muß. Lässt sich das alles mit eingeschränkten Finanzen bewältigen? Ein Kinderwunsch trifft junge Familien finanziell besonders hart. Grade in einer Zeit in denen die Wünsche noch größer sind als das Einkommen, wenn Eigenheime immer begehrlicher werden und Autos immer teurer? Es ist durchaus erklärbar, dass die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft.

Das Leben hat sich gewandelt, die Politik hat das nur noch nicht mitbekommen.

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