Geh doch auf’s Amt


Mein Bekannter erzählt, seine Tochter wollte eine neue Hose, eine Markenjeans der Fa. Diesel für 200 €. Dieser ist kein Fashionista und daher sind ihm 200 € für ein bischen kaputten Stoff und einen großen Namen zu viel Geld. Dies hatte er seiner Tochter dann auch so vermittelt.

Am nächsten Tag kommt die Kleine ganz stolz nach Hause. Sie wußte etwas. Sie sagte ihrem Daddy: „Papa geh doch auf’s Amt und beantrage eine neue Hose für mich!“ Ihm fiel die Kinnlade herunter …

Es ist ein trauriges Überbleibsel jahrelang verfehlter Politik: inzwischen gibt es eine Generation von Arbeitslosen, die es bereits zuhause gelernt haben, arbeitslos zu sein. Papa ist im Zuge der Grubenschließungen in den 80 ern arbeitslos geworden. Dem Filius ist auch nichts besseres passiert und der Nachwuchs geht zur Schule und weiß wie man in einem Sozialstaat leben kann.

Ich will hier niemanden zu nahe treten, es mag Ausnahmen geben oder eine Ausnahmeerscheinung sein. Aber wer kennt nicht die Familien in denen bereits Werktag morgens die ersten Bierpullen geleert werden? Wo der Lebensinhalt darin besteht, den ganzen Tag vor der Glotze zu hängen, billige Lebensmittel zu konsumieren und auf den Staat zu schimpfen, der an ihrem Dilemma schuld ist und der gar nichts für sie tut.

Und sie haben recht! Der Staat tut nichts für sie. Er hilft ihnen nicht aus der Misere herauszukommen. Er teilt ihnen monatlich ein Scherflein Geld zu, das zum gut leben eigentlich zu wenig ist, bei reduzierten Ansprüchen mit Ausnutzung der weiteren Zuwendungen aber durchaus genügen kann, weiterhin nichts zu tun, anstatt zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Nun, wenn mein Bekannter, wie von Tochter gewünscht, zum Amt gehen würde, würden ihn die dort Beschäftigten wohl herzlich ob seines Anliegens auslachen. Aber wieviele arbeitende Menschen gibt es, die nicht mehr zur Verfügung haben als ein Arbeitsloser der auf Staatskosten lebt? Die Story von der alleinstehenden Backereiverkäuferin mit Kind in Thüringen, die jeden Tag 6h arbeitet und trotzdem weniger Geld hat als ihre im gleichen Haus lebende langzeitarbeitslose Pedantin. Oder die Geschichte der 2006 er Spargelernte, bei der Langzeitarbeitslose eingesetzt werden sollten, von denen aber nur ein Bruchteil die erste Woche geschweige denn die ganze Zeit bei der Arbeit geblieben sind. Wieder einmal mußten die Landwirte auf die arbeitsamen Osteuropäer zurückgreifen.

Es ist vielleicht ein Problem des Mindestlohns wie von verschiedenen blauäugigen Parteien und Gewerkschaften gern vermittelt wird. Vielleicht aber doch eher ein Problem der Politik, die Menschen durchfüttert, anstatt ihnen Alternativen zu bieten und zur Nutzung derselben auch zu animieren.

Es gibt genug Arbeit in Deutschland. Genug Arbeit um alle Deutschen zu beschäftigen. Doch diese Arbeit ist zu teuer. Und die Menschen, die verlernt haben zu arbeiten, müssen dies auch erst wieder erlernen.

Was wir brauchen ist:

  1. Wegfall der monetären Leistungen der Sozialhilfeempfänger (nimmt den Anreiz auf Nichtarbeit)
  2. Verbilligung der Arbeit durch den längst überfälligen Umbau des Sozialsystems, inklusive der Renten- und Krankenkassen (schafft zusätzliche Arbeitsstellen)
  3. Bevorzugte Förderung von Sozialhilfeempfängern bei Fortbildung (Qualifizierung)
  4. Arbeitszuteilung an Sozialhilfeempfänger mit monetären Anreizen (Anreiz zur Arbeitsaufnahme)
  5. Lehrstellenzuweisung an Schulabgänger, die selbst keine Lehrstelle gefunden haben. (bricht das System der AL-Familie auf)
  6. und letztendlich muß der Arbeitslohn zum Leben ausreichen. im Nichtfalle sollte der Staat bedürftigen Betrieben bei der Entlohnung unter die Arme greifen.

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